(T)Raumschiff SUPPORT: Eine Reise in die Zukunft der Arbeitswelt (Text nicht in Einfacher Sprache!)

Unter diesem Titel, der mir von ÖZIV SUPPORT vorgegeben wurde, habe ich am 15. Oktober 2014 im Rahmen von ÖZIV SUPPORT einen Vortrag zum Thema Arbeitswelt und Menschen mit Behinderungen gehalten.

Dabei ging es um einen kurzen Rückblick bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Dann ging es um die Situation heute und gegenwärtige Politik vor dem Hintergrund der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Und zuletzt ging es um zukünftige Entwicklungen hin zu einer inklusiven Gesellschaft, in der ein barrierefreier Arbeitsmarkt eingebettet ist.

Nach dem Vortrag wurde ich gebeten, den Text auf 3000 Worte zusammen zu fassen – zumindest habe ich das so verstanden; gemeint waren allerdings nur 3000 Zeichen. Da ich den Text nun bereits fertig geschrieben habe, ist er hier in meinem Blog zu finden.

Vorab nochmals vielen Dank an ÖZIV SUPPORT für die Möglichkeit, das Thema zu referieren und mit den Anwesenden zu diskutieren!

Und ich danke ebenso Freak Radio, das nach dem Vortrag ein Interview mit mir geführt hat, das man auf Freak Radio im Internet abrufen kann.

Das Menschenrecht auf Arbeit

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die im Jahr 1948 von den Vereinten Nationen offiziell verabschiedet wurde, schreibt in Artikel 23 unter anderem fest: „Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit. Arbeit ist ein Menschenrecht.“ Wichtig ist dabei hervorzuheben, dass das Menschenrecht auf Arbeit unter anderem Nicht-Diskriminierung, das Vorhandensein passender Arbeitsplätze, sowie ganz wesentlich einen Zugang zu Bildung umfasst. Dass darauf bereits lange hingewiesen wird, wir aber heute nach wie vor einigermaßen weit davon entfernt sind, zeigt sich unter anderem in einem Dokument (Employment Policies for People with Disabilities) der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Darin wird bereits 1992 hervorgehoben, wie schlecht es für den einzelnen Menschen wie auch für die Gesellschaft ist, Menschen mit Behinderungen vom allgemeinen Arbeitsmarkt auszugrenzen. Im Bericht wird eine Reihe von Maßnahmen angesprochen, die notwendig sind, um einen heute als inklusiven bezeichneten, nicht ausgrenzenden, Arbeitmarkt zu gewährleisten.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und deren Umsetzung in Österreich

Die Umsetzung des Menschenrechts auf Arbeit hat durch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (kurz BRK) allerdings in den letzten Jahren eine neue Dimension bekommen. Die BRK, die von Österreich 2008 rechtlich gültig gemacht wurde (insgesamt haben bis zum 2. November 2014 151 Staaten die BRK ratifiziert), hält in Artikel 27 das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen ausdrücklich fest. Dabei schreibt die BRK keine neuen Rechte fest, sondern sie hebt hervor, welche Rechte Menschen mit Behinderungen haben. Auf diese Weise ist die BRK eine Messlatte für alle Staaten, die sie ratifiziert haben: Welcher Staat hat was bereits umgesetzt und was genau tun Staaten, um die BRK umzusetzen?

Die BRK, in der das Recht auf Diversität nieder geschrieben ist und deren Ziel Inklusion ist, basiert auf wesentlichen Grundsätzen: Respekt der Würde der Person, Nicht-Diskriminierung, Inklusion in und Partizipation an der Gesellschaft, Anerkennung von Vielfalt, Barrierefreiheit (alle Formen von Barrieren umfassend), Gleichheit von Männern und Frauen mit Behinderungen, sowie gleiche Rechte für Kinder mit Behinderungen. Artikel 1 der BRK besagt, dass alle Menschenrechte und Rechte für alle Menschen mit Behinderungen gelten, und dass diese Rechte und Menschenrechte Menschen mit Behinderungen nicht vorenthalten werden dürfen. Es geht also um den Schutz und die Sicherstellung der Menschenrechte und Rechte von Menschen mit Behinderungen. Der bereits erwähnte Artikel 27 der BRK besagt, dass der Arbeitsmarkt und das Arbeitsumfeld inklusiv gestaltet sein müssen. Dies bedeutet: Frei von Vorurteilen, gleiche Chancen und Rechte für alle, sowie Barrierefreiheit in jeder Hinsicht. Es darf keine Diskriminierung und Benachteiligung wegen einer Behinderung geben. Das setzt voraus, dass Bildung und Ausbildung von Menschen mit Behinderungen dem entsprechend gestaltet sein müssen.

In den Handlungsempfehlungen der Vereinten Nationen nach der ersten Staatenprüfung im Jahr 2013 wird allerdings in Bezug auf Österreich folgendes festgehalten (bei BIZEPS nachzulesen): „47. Das Komitee empfiehlt dem Vertragsstaat Förderprogramme, um Menschen mit Behinderungen im offenen Arbeitsmarkt zu beschäftigen. Das Komitee empfiehlt ebenfalls, dass Maßnahmen gesetzt werden, um die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Beschäftigung und Bezahlung zu reduzieren.“ Und in der Europäischen Behindertenstrategie 2010-2020 wird im Aktionsbereich 4 – Beschäftigung festgehalten, dass qualitätsvolle Arbeit Unabhängigkeit und persönliche Entwicklung ermöglicht und den besten Schutz vor Arbeitslosigkeit darstellt. Es geht darum, Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen am offenen Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Sieht man sich nun die Maßnahmen im Nationalen Aktionsplan Behinderung 2012-2020 (der zur Umsetzung der BRK formuliert wurde) an, so ist das Problem dabei, dass zwar etliche Maßnahmen in Bezug auf Arbeit angeführt werden, dass jedoch sowohl eine ausreichende Datenlage fehlt als auch Indikatoren erst zu entwickeln sind, die der BRK entsprechen: Die gegenwärtige Situation und eine zukünftige Entwicklung sind ja erst beurteilbar und messbar, wenn man weiß, wie die Ausgangslage aussieht. Diese ist jedoch nicht ausreichend bekannt. Um dem entgegen zu wirken, gibt es in der so genannten Begleitgruppe zum Nationalen Aktionsplan Behinderung derzeit eine Untergruppe, die Indikatoren entwickeln soll. Dies ist umso wichtiger, als dass die hohe Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen und deren geringe Beschäftigungschancen nur durch Maßnahmen beendet werden können, die einerseits auf einer soliden Datenlage beruhen, andererseits jedoch in einem inklusiven Arbeitsmarkt begründet sein müssen. Schlechte und unausreichende Bildung und Ausbildung durch ein immer noch paralleles Schulsystem führen nach wie vor in sehr vielen Fällen in einen Teufelskreis der Tages- und Beschäftigungsstrukturen und damit weit weg vom regulären Arbeitsmarkt und nicht nur das gilt es im Zuge der Umsetzung der BRK zu ändern.

Ein inklusiver Arbeitsmarkt funktioniert nur in einer inklusiven Gesellschaft 

Wie bereits betont, bedeutet ein inklusiver Arbeitsmarkt, dass der Weg dorthin (im Sinne eines inklusiven Bildungssystems vom Kindergarten bis zum Schulabschluss wie auch das lebenslange Lernen und die Weiterbildung einschließend) inklusiv gestaltet sein muss, dass also unser gesamtes Lebensumfeld inklusiv sein muss. Eine inklusive Gesellschaft, in der wir danach leben und handeln, stellt die Grundlage eines inklusiven Arbeitsmarktes dar, der personenzentriert ansetzt und in dem es um eine aktive Arbeitsmarktpolitik und um ein Zugehen auf Menschen mit Behinderungen (und eine Eingehen auf deren Bedarf und Wünsche im Kontext von Wahlfreiheit) geht.

Um eine inklusive Gesellschaft zu leben und danach zu handeln, bedarf es dabei der gesellschaftlichen Anerkennung von Menschen mit Behinderungen, was auch die BRK betont. Ganz wesentlich für einen inklusiven Arbeitsmarkt ist in diesem Zusammenhang Barrierefreiheit in allen Dimensionen als Grundlage jeglicher Veränderung. Dies ist nun wiederum nichts Neues und auch da muss man sich als Gesellschaft fragen, warum es in den letzten Jahren so wenige nachhaltige Entwicklungen im Sinne des Menschenrechts auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen gegeben hat. Tatsächlich ändert sich langsam etwas, aber die grundlegend notwendigen radikalen Veränderungen – Barrierefreiheit, inklusive Bildung, verändertes Denken über Menschen mit Behinderungen und damit auch grundlegend nachhaltige Änderungen im Arbeitsbereich – bleiben nach wie vor aus.

Nun ist dies kein spezifisch österreichisches Problem, sondern leider nach wie vor ein weit verbreitetes. Das europäische Projekt DISCIT (Making Persons with Disabilities Full Citizens) vergleicht Politik in Bezug auf Menschen mit Behinderungen in Norwegen, Deutschland, der Tschechische Republik, Irland, Italien, Schweden, Großbritannien und Serbien. Im Jahr 2013 legte das Projektteam einen Bericht zur Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderungen vor, in dem festgestellt wird, dass es große Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen in Bezug auf Arbeit gibt und dass es wenige Verbesserungen und eher eingeschränkte Auswirkungen arbeitsmarktpolitischer Ansätze in den letzten zehn Jahren gegeben hat.

Veränderungen in der Arbeitswelt und von Berufsbildern

Der Wandel der Arbeitswelt und von Berufsbildern stellt für viele Menschen – Menschen mit wie auch Menschen ohne Behinderungen – enorme Herausforderungen dar. Die Deutsche Bildung AG hält auf ihrer Website dazu fest: „Der künftige Arbeitnehmer wird vor allem flexibler arbeiten als heute, aber auch eigenverantwortlicher. Wechselnde Projekte und wechselnde Arbeitgeber werden zur Normalität. Dank neuer Kommunikationstechnologien löst sich auch die Bindung ans Büro auf. Gleichzeitig ändern sich Berufsbilder.“

Flexibilität, Eigenverantwortung, Veränderungen fordern Barrierefreiheit und Selbstbestimmtes Leben noch viel stärker als Arbeitsvoraussetzung ein als früher. Und hier wird deutlich, wie schwer das für Menschen mit Behinderungen umzusetzen ist oder sein kann, sind sie es doch, die um Selbstbestimmung und Barrierefreiheit nach wie vor kämpfen müssen. Wesentlich ist dabei jedenfalls, zu betonen, dass es eine Verpflichtung über österreichische Gesetze wie auch über die BRK gibt, die es einzuhalten gilt. Dem gegenüber gewissermaßen gibt es ‚Umstände’ (wie die ökonomische Krise), die diesen Verpflichtungen seitens verschiedener Politik mitgestaltender Stellen entgegen gesetzt verwendet werden. Und es gibt aktuelle Entwicklungen im Arbeitsbereich, die eben Menschen mit Behinderungen ebenso betreffen wie alle anderen auch.

Anhand zweier Beispiele – dem Home Office-Trend und der Teilzeitarbeit – sollen daher kurz die Vor- und Nachteile gegenwärtiger Trends in der Arbeitswelt in Bezug auf Menschen mit Behinderungen diskutiert werden.

Der Home Office Trend: Wo man arbeitet

In Bezug auf das Konzept ‚Home Office’ können eine Reihe von Aspekten ausgemacht werden, die sich auf die Arbeitssituation von Menschen mit Behinderungen positiv auswirken können. Unter anderem umfasst dies ganz wesentlich die Barrierefreiheit des Umfelds. Hinzu kommt eine Anpassung an den eigenen Tages-Arbeits-Rhythmus. Ruhe wie auch eine gewisse Freiheit, ein angenehmes Umfeld wie auch die Nutzung passender neuer Technologien kommen als positiver Aspekt hinzu. Nachteile lassen sich jedoch ebenso festhalten: Es ergeben sich unter Umständen (hohe) Ausstattungskosten auf Kosten des/der Einzelnen. Home Office Arbeitsplätzen fehlt die Nähe und Interaktion wie auch der Zusammenhalt mit den anderen Menschen in einer Firma. Dies kann im Extremfall Vereinsamung vorantreiben und zu einer verstärkten Ausgrenzung von Menschen führen, die aufgrund einer Behinderung möglicherweise ohnehin bereits ausgegrenzt werden. Dass Home Office Tätigkeiten zu geringeren Aufstiegschancen führen, wird zudem in den letzten Jahren diskutiert und betrifft potentiell alle Menschen.

Teilzeitarbeit: Wie (und auch wo) man arbeitet

Wendet man sich kurz dem Thema Teilzeitarbeit zu, so zeichnet sich in Bezug auf Menschen mit Behinderungen ein differenziertes Bild ab. Während es allgemein eher die Tendenz gibt, sich negativ zu Teilzeitarbeit zu äußern und es bestenfalls als Wiedereinstiegsmodell in gewissem Ausmaß positiv zu bewerten, kann Teilzeitarbeit eine Möglichkeit sein, als Mensch mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gelangen. Als Vorteile können dabei unter anderem folgende Aspekte ausgemacht werden: Die Arbeitszeit entspricht dem eigenen Bedarf. Es besteht ein Anreiz für ArbeitgeberInnen, begünstigt behinderte ArbeitnehmerInnen einzustellen, wobei dies auch Nachteile bergen kann, denn damit wird die Einstellpflicht begünstigt behinderter ArbeitnehmerInnen erfüllt und dies kann eine gewisse Hintertüre für ArbeitgeberInnen öffnen. Weitere Nachteile von Teilzeitarbeit in Bezug auf Menschen mit Behinderungen umfassen ein nachhaltiges Abschieben in den Teilzeitbereich wie auch eine Verstärkung bestimmter Haltung Menschen gegenüber (eine Einteilung in jene, die fähig oder eben nicht fähig sind, voll zu arbeiten). Hinzu kommt, dass Teilzeitarbeit als benachteiligende Form von Beschäftigung letztlich zumeist zu einem geringeren Einkommen führt.

Unterfordert, überfordert? Der kurzer Blick über den Tellerrand

Die arbeitsmarktpolitische Förderstrategie für Menschen mit Behinderungen 2014-2017 (BABE – Österreich 2014-2017, Behinderung – Ausbildung – Beschäftigung, Bundesweites arbeitsmarktpolitisches Behindertenprogramm) bezieht sich unter anderem auf das Pilotprojekt Inklusive Arbeit für Menschen, die „nach derzeitigen Standards als ‚nicht arbeitsfähig’ eingestuft werden, aber in Einrichtungen der so genannten ‚Beschäftigungstherapie’ unterfordert sind und daher für sich keine Perspektive für eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sehen.“ Nun gibt es in anderen Staaten ähnliche Projekte, die bereits seit einigen Jahren laufen und von deren (Miss)Erfolg man durchaus etwas lernen kann. Ein Beispiel sei hier kurz angesprochen, nämlich die so genannten ‚Flex-Jobs’ in Dänemark, die seit den späten 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden. Diese Aktivierungsstrategie im Arbeitsmarktbereich bewirkte eine starke Zunahme an Menschen im Programm, gleichzeitig kam es zu einer Abnahme von Menschen in Beschäftigungstherapie, aber insgesamt jedoch ließ sich keine Abnahme von UnterstützungsbezieherInnen verzeichnen, wie unter anderem die OECD in einem Evaluierungsbericht festhält. Die Gefahr der Arbeitslosigkeit, so lässt sich festhalten, steigt vor allem bei schlechter Ausbildung trotz der Flex-Jobs, wie Jensen und Ko-AutorInnen 2014 festhalten. Ähnlich wie das Pilotprojekt Inklusive Arbeit sind ‚Flex-Jobs’ zwischen dem regulären Arbeitsmarkt und dem Sozialsystem angesiedelt, was dazu führt, dass sie daher oftmals negativ verstanden und abgelehnt werden, wie Etherington und Ingold bereits 2012 festhielten. Beide Aktivierungsstrategien – die dänische wie auch die österreichische – sind letztlich als Annäherung an einen inklusiven Arbeitsmarkt zu verstehen und es wird viel davon abhängen, wie sehr die Probleme des dänischen Beispiels sich in Österreich wiederholen werden und wenn ja, was dagegen getan werden wird.

Damit das T aus (T)Raumschiff wegfällt

Damit die Arbeitswelt der Zukunft Menschen mit Behinderungen nicht ausgrenzt und damit die Barrieren und Hürden, die heute bereits und noch immer existieren, abgebaut werden, bedarf es wesentlicher Punkte, die zu bedenken sind. Den Ausgangspunkt dabei bildet die Tatsache, dass Behindertenpolitik eine Querschnittsmaterie ist und sehr viele ineinander verzahnte Politikbereiche betrifft. Arbeit in Bezug auf Menschen mit Behinderungen zeigt das deutlich auf. Darauf muss die Entwicklung Bezug nehmen.

Es muss eine kritische und öffentliche Diskussion zur Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderungen geben, und es muss ausreichend erklärende Daten und damit Forschung als Grundlage einer nachhaltigen Entwicklung geben. Zudem müssen Beratung und Unterstützung ausgebaut werden. Das Beratungsangebot muss ausgebaut werden, damit möglichst viele Menschen mit Behinderungen erreicht werden und wissen, was es für Möglichkeiten gibt. Wesentlich ist, dass Persönliche Assistenz, Personen zentriertes Planen und Unterstützte Beschäftigung ebenso wie in anderen Ländern ausgebaut wird, wie dies bereits 2009 von Koenig gefordert wurde.

Ausblick und ein wichtiger Nachsatz

Der daraus abgeleitete Ausblick ist zugleich optimistisch und pessimistisch: Wir als Gesellschaft müssen etwas tun und es tut sich ja auch etwas. Aber zu wenig und zu langsam. Dass es in Zeiten der Krise immer jene zuerst trifft, die sich am wenigsten wehren, ist leider eine Tatsache. Viel wird daher daran liegen, sich aktiv in die Politikgestaltung einzubringen. Einfach ist das aber nicht. Und zudem ist es eigentlich Aufgabe der Politik, eben nicht bestimmte Gruppen von Menschen auszugrenzen. Das heißt, politische Selbstvertretung ist wichtig, staatliche Stellen dürfen sich aber deshalb nicht zurückziehen, sondern müssen sich ihrer Rolle als aktiv gestaltende Stellen bewusst sein und danach handeln. Dabei darf sich Arbeitsmarktpolitik in Bezug auf Menschen mit Behinderungen keinesfalls auf noch nicht geändertes Denken über Menschen mit Behinderungen ausreden. Und zudem ist es jedenfalls unumgänglich, dass wir als Gesellschaft bald alle inklusiv denken, handeln und leben. Und das betrifft uns eben alle – alle Teile der Gesellschaft, der Politik, der Wirtschaft, jede/n Einzelnen von uns. Zu warten, dass die anderen beginnen, etwas zu ändern, hemmt den Weg in eine inklusive Gesellschaft nachhaltig.

In der sozialpolitischen Rundschau ‚monat’ der ÖAR (Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation) Monat wurde im Jahr 2014 festgehalten: „Inklusion statt Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt, Qualifikation und Arbeit statt Beschäftigungstherapie, Arbeitseinkommen statt Taschengeld.“ Das ist keine Zukunftsmusik, sondern eine konkrete und berechtigte Forderung vor dem Hintergrund der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sowie der österreichischen Gesetzeslage.

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