Nächstes Jahr der Laufbewerb? Nein.

Seit Wochen beschäftigt mich dieser Satz: Nächstes Jahr versucht ihr dann vielleicht den Laufbewerb.

Wer das gesagt hat?

Die Sprecherin beim Internationalen Frauenlauf in Wien. Das war Ende Mai. Das hat sie beim Nordic Walking Bewerb gesagt (beim Nordic Walking; dazu schreibe ich seit 2016 unter ‚Zur Person‘ Texte) geht man schneller und benützt dabei besondere Stöcke. Die Stöcke unterstützen das Gehen).

Warum hat sie das gesagt?

Ich weiß es nicht. Denn ich verstehe eines nicht:

Warum kann jemand nicht anerkennen (akzeptieren): Ich will Nordic Walking machen, ich will nicht laufen. Ich mache Nordic Walking, weil ich das gut kann und weil es mir Spaß macht. Ich bin früher viel gelaufen, aber jetzt mache ich es nicht mehr. Warum, das ist meine Sache.

Und ja, ich bin langsamer als viele LäuferInnen. Das liegt in der Natur der Sache. Aber ich bin auch viel schneller als viele andere LäuferInnen. Beim Frauenlauf zum Beispiel wurde ich von 2723 Teilnehmerinnen beim Nordic Walking 24. Und im Vergleich zu den Läuferinnen habe ich 3700 von ihnen hinter mir gelassen.

Aber darum geht es nicht.

Ich bin zwar ehrgeizig und ich möchte für mich eine gute Zeit walken (also gehen). Ich setze mir ein Ziel (oft ein recht hohes und muss dann viel trainieren) und das will ich erreichen. Mein Ziel derzeit ist eine gute Zeit beim Halbmarathon (das sind 21 km) in der Wachau im September. Darauf freue ich mich: Nicht nur auf die 21 km. Vor allem auf die wunderschöne Landschaft.

Aber auch wenn ich nicht ehrgeizig wäre. Oder wenn ich ganz langsam walken (gehen) würde:

Warum sollte ich nächstes Jahr beim Frauenlauf laufen? Was ist besser am Laufen als am Walken – oder am Rollen? Was mir Spaß macht, welche Möglichkeiten ich habe oder was ich kann – darum geht es.

Ich finde es nicht gut, dieses ewige Vergleichen: Heuer walkst (gehst) du, nächstes Jahr kannst du vielleicht schon laufen. Nein. Laufen ist die Norm – so kommt das bei mir zumindest an. Und ich entspreche dieser Norm offensichtlich nicht (ich renne nicht verbissen wie viele LäuferInnen mit hochrotem Kopf und schaue aus, als ob ich gleich umfallen würde. Ich gehe schnell vor mich hin, schaue mir die Landschaft an, lächle und genieße die frische Luft).

Ich finde es nicht gut, dass ich mich ständig rechtfertigen muss. Viele Leute schauen mich mitleidvoll an, wenn ich sage, dass ich Nordic Walking mache. Ich kenne Leute, die Nordic Walking Stöcke haben, und sie nicht benützen, weil sie sich dafür schämen.

Und ja, es gibt Menschen, die walken (gehen) ganz langsam. Manche benützen die Stöcke nicht korrekt. Aber alle machen das, was sie wollen, was sie können und was geht. Sie sind an der frischen Luft, sie bewegen sich, sie tun, was ihnen Spaß macht. Und darum geht es.

Ich finde es traurig, dass sich viele andere Menschen darüber lustig machen. Wir haben so viele – schlecht oder gar nicht versteckte – Normen in unserer Gesellschaft. Und ich mag da nicht mitmachen. Es kränkt mich nicht und ich mache auch deshalb nichts anderes. Nur weil andere das abwerten.

Ich verstehe dabei nur eines nicht:

Wie wollen wir jemals eine inklusive Gesellschaft werden und danach leben? Wenn wir schon bei solchen unwichtigen Sachen wie meinem Nordic Walking nicht anerkennen können, dass es VIELE Fortbewegungsarten gibt?

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