Um eine wichtige Erfahrung reicher

Ich war jetzt knapp zwei Jahre lang so genannte Stellvertretende Studienprogrammleiterin. Und zwar am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.

Politikwissenschaft ist das Nachdenken über unser Zusammenleben und unsere Regeln in der Gesellschaft.

Studienprogrammleitungen bestehen meistens aus zwei bis drei Menschen. Diese Menschen planen die Lehrveranstaltungen an einem Institut. Also: Wer soll im kommenden Jahr was unterrichten? Was soll den Studierenden von wem beigebracht werden? Und diese Menschen entscheiden wichtige Fragen: Was dürfen Studierende tun, was dürfen sie nicht tun? Was dürfen Lehrende tun, was dürfen sie nicht tun?

Ich war jetzt fast zwei Jahre die Stellvertreterin der Studienprogrammleiterin. Das bedeutet: Ich habe viele Anfragen (in emails und in der Sprechstunde) von Studierenden und auch von Lehrenden bekommen.

Im Oktober 2016 gibt es nun ein neues Team der Studienprogrammleitung Politikwissenschaft. Das ist also jetzt ein guter Zeitpunkt zum Nachdenken, wie das die letzten zwei Jahre so war.

Zusammengefasst: Es war eine wichtige Erfahrung. Und das meine ich im Guten und im Schlechten.

Ich unterrichte sehr gerne an der Universität Wien. Das Unterrichten nennt man Lehre. Lehre bedeutet: Mit den Studierenden viel reden und diskutieren. Und es bedeutet: Viel lernen. Denn wir können alle voneinander sehr viel lernen. Das ist etwas sehr Schönes und Wichtiges.

Als Stellvertretende Studienprogrammleiterin habe ich eine andere Seite des Miteinanders von Lehrenden und Studierenden kennen gelernt. Das ist sehr wichtig. Aber es war zum Teil auch ganz schön schmerzhaft. Ich sage es gleich jetzt: Ich verstehe das alles. Ich kann das alles gut nachvollziehen. Aber in emails und Gesprächen wurde ich zum Teil ganz schön heftig angegriffen. Und das musste ich erst verkraften lernen. Wie gesagt: Wenn Studierende sich nicht gut behandelt fühlen, ist klar, dass sie in Angriffshaltung gehen. Es geht immerhin um das Studium dieser Studierenden, es geht um die Kosten des Studiums (wegen der Dauer) und es geht ganz wesentlich um die Zukunft der Studierenden. Daher kann ich das alles wirklich gut verstehen. Aber zugleich denke ich mir: Es wäre manchmal schön gewesen, wir hätten einfach geredet und es wäre nicht gleich ein Angriff gekommen.

Uneinigkeit zwischen Lehrenden und Studierenden gibt es manchmal. Das kannte ich auch von früher und kenne es aus den Lehrveranstaltungen (so nennt man die Unterrichtsstunden).

Aber das bei der Studienprogrammleitung war dann teilweise schon eine andere Sache. Auch wenn das wohl eben alles aus schlechten Erfahrungen oder auch aus Ängsten heraus passiert ist: Ich möchte schon auch gerne so behandelt werden, wie man es umgekehrt  von mir ebenso erwartet. Das ist aber einige Male nicht passiert.

Auf alle Fälle waren es zum Glück nicht allzu viele schlechte Erfahrungen und Erlebnisse. Und ich hoffe, ich konnte die Studierenden unterstützen – sofern es Bereiche waren, für die ich zuständig war. Ich habe das eben trotz der negativen Erfahrungen sehr gerne gemacht.

Aber worauf ich mich ab Oktober wieder uneingeschränkt freue: Nur mehr die Lehrende zu sein, nicht das Feindbild (und so habe ich das einige Male sehr stark empfunden). Und dann wieder das Positive im Miteinander mit Studierenden erleben zu können. Leider erinnert man sich oft viel eher an Unangenehmes als an Angenehmes. Das wird sich nun wieder ändern, wenn ich nicht mehr Stellvertretende Studienprogrammleiterin bin. Und darauf freue ich mich sehr!

 

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