Projektbericht veröffentlicht

Soeben (Dezember 2019) wurde der Projektbericht „Erfahrungen und Prävention von Gewalt an Menschen mit Behinderungen“ veröffentlicht.

Er ist hier abrufbar (in Schwerer Sprache): https://www.sozialministerium.at/dam/jcr:75161d57-cb4c-44f0-af8b-ab3bb1d42895/191211_BMASGK-Gewaltstudie.pdf

Disability Studies: DiStA-Vorträge & Vernetzungstreffen in Klagenfurt (in Schwerer Sprache)

Am 15. und 16. November 2019 findet an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt ein DiStA-Vernetzungstreffen und als Rahmen dazu eine Reihe von Vorträgen statt – in ähnlichem Format wie bislang die regelmäßigen DiStA-Ringvorlesungen. Informationen dazu finden Sie unter https://dista2019.uniability.org (abgerufen am 30.10.2019)

Ich jage – ein Outing

Outing bedeutet: Ich sage, was ich mich lange nicht getraut habe, zu sagen.

Warum?

Das versuche ich hier in diesem Text zu schreiben.

Vor fast genau einem Jahr habe ich die Jagdprüfung gemacht. Bei einer Jagdprüfung muss man Fragen zum Jagen beantworten. Und man muss zeigen, dass man schießen kann.

Jagen bedeutet: Ich beobachte im Wald Tiere – sie werden Wild genannt, also Tiere, die im Wald leben – und ich töte Wild zum Essen. Man muss dafür gut schießen können. Wenn ich schlecht schieße, verletze ich das Tier und es leidet. Wenn ich gut schieße, ist es auf der Stelle tot.

Fast ein Jahr habe ich jetzt gebraucht, um diesen Text zu schreiben. Das ist erstaunlich. Denn ich schreibe gerne und viel (siehe meine Blog-Einträge auf meiner Internetseite).

Warum?

Weil es Menschen gibt, die sagen: Jägerinnen und Jäger sind Mörder. Und es gibt andere Menschen, die sagen: Jägerinnen und Jäger sind rechts. Oder zumindest sehr eigenartig traditionsverbunden. Das bedeutet: Jägerinnen und Jäger halten sich an alte Regeln. Das finden sehr viele Menschen eigenartig und konservativ. Konservativ bedeutet altmodisch und etwas, was heute nicht mehr passend ist.

Ich könnte jetzt also lange schreiben, dass ich immer schon Fleisch gegessen habe. Das Schweineschnitzel war auch einmal ein Schwein. Ich habe es zwar nicht selber getötet, aber getötet wurde es trotzdem. Und das Leben dieses Schweines war vielleicht gar nicht so wunderschön, wenn es schlecht gehalten wurde. Jägerinnen und Jäger töten das Wild selbst. Sie wissen, wo und wie diese Tiere leben. Und sie schießen hoffentlich so gut, dass das Tier nicht leidet, bevor es stirbt.

Und ich könnte jetzt ebenso lange schreiben, dass ich nicht rechts bin. Ich habe bisher mein ganzes Leben hindurch Grün gewählt (bis auf eine Wahl in Wien vor vielen Jahren; da habe ich die sozialdemokratische Partei gewählt). Schon eigenartig, dass ich bisher noch in keinem einzigen Text von mir geschrieben habe, was ich wähle. Und dass ich es jetzt tue, um mich zu rechtfertigen, weil ich jage. Rechtfertigen bedeutet: Ich muss jemandem erklären, warum ich etwas mache.

Aber so will ich nicht über das Jagen schreiben. Ich will anders über die Jagd reden.

Weil ich finde: Es bringt niemandem etwas, wenn sich Jägerinnen und Jäger gleich immer rechtfertigen. Wenn ich etwas Falsches mache, muss ich mich rechtfertigen, das ist klar.

Und beim Jagen gibt es viel, was man falsch machen kann. Aber ich schreibe jetzt nicht darüber.

Ich schreibe darüber, warum ich jage. Deshalb gehe ich das jetzt anders an.

Ich bin sehr gerne in der Natur. Ich liebe die Berge und den Wald. Ich liebe die Ruhe im Wald. Wer einmal stundenlang auf einem Hochsitz gesessen ist, weiß wovon ich rede: Ich nenne das die Waldgeräusche-Ruhe. Das bedeutet: Im Wald ist es ruhig, es fahren zum Beispiel keine Autos herum, keine Menschen schreien. Zugleich ist es aber im Wald extrem laut. Das Laub raschelt, die Blätter bewegen sich im Wind. Wild macht Geräusche, es knackst laut im Wald um den Hochsitz herum. Und plötzlich stehen die Tiere da auf der Wiese vor dem Hochsitz. Das ist wie auf einer Bühne im Theater oder Kino – plötzlich betreten die Tiere diese Bühne. Ich finde das einfach Atem beraubend.

Die andere Art zu beobachten und jagen, finde ich mindestens so schön – wenn ich nämlich Wild verfolge. Ich muss leise sein, ich muss steile Hänge hinaufklettern, mir rinnt der Schweiß hinunter, es ist körperlich anstrengend. Und ich weiß nicht, ob am Ende das Tier, das ich vorher durch das Fernglas vom Gegenhang gesehen habe, noch immer da sein wird bis ich in der Nähe bin.

Wild in seinem natürlichen Lebensraum (etwas anderes kommt bei mir nicht in Frage als in der freien Wildbahn) zu beobachten und zu töten ist also eine Herausforderung in vielfacher Hinsicht: Es erfordert Geduld, Ausdauer und Können. Ich muss stundenlang irgendwo warten können. Ich muss einen hohen, steilen Berg hinaufsteigen können. Und ich muss gut schießen können.

Mir ist das Tier nicht am Teller ausgeliefert. Ich muss etwas dafür tun, dass ich als Jägerin oder Jäger zu meinem Essen komme. Ich weiß dann auch, was ich esse. Ich weiß, wie das Tier gelebt hat. Und ich war zudem in der Natur.

Mir ist aber klar: Viele Menschen verstehen das nicht. Auch wenn sie Fleisch essen. Sie hören Geschichten über Jägerinnen und Jäger und sagen: Das ist alles schrecklich altmodisch von den Bräuchen und Regeln her, es sind Waffen im Spiel und es geht um das Töten von Tieren.

Ja. So ist es. Aber ich weiß, warum ich es tue.

Und ich möchte dazu stehen können. Weil ich selbst nichts Schlechtes darin sehe. Dass das viele Menschen anders sehen, ist mir klar. Diese Menschen kann und will ich nicht überzeugen.

Ich habe gesagt, was ich tue. Und jetzt ist mir leichter.

Zur Verwendung des Begriffs ‚Disability Studies‘ (in Schwerer Sprache)

Auf der DiStA-Website (Arbeitsgruppe und Kooperationsplattform DiStA (Disability Studies Austria, Forschung zu Behinderung, Österreich) finden Sie ab sofort eine Stellungnahme zur Verwendung des Begriffs ‚Disability Studies‘:

https://dista.uniability.org/wp-content/uploads/2019/10/Stellungnahme-DiStA-zur-Ringvorlesung-17-10-2019.pdf (17.10.2019)

 

Umfassende Barrierefreiheit in Wiener Spitälern – in Schwerer Sprache

Heute (3.10.2019) ist im Standard ein Artikel zu unserer Studie zu umfassender Barrierefreiheit in Wiener Spitälern erschienen:

KAV lässt Krankenhäuser auf Barrierefreiheit prüfen
https://www.derstandard.at/story/2000109192233/kav-laesst-krankenhaeuser-auf-barrierefreiheit-pruefen?ref=article

Ärgerlich daran ist, dass nicht der KAV die Spitäler ‚prüfen lässt‘, sondern wir als Wiener Monitoringstelle für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (https://www.monitoringstelle.wien) diese Studie durchführen. Der KAV hat uns dabei unterstützt und uns Zugang zu den bisher untersuchten Spitälern ermöglicht. Von sich aus wurde der KAV jedoch diesbezüglich nicht aktiv.

Was jedenfalls positiv ist, ist die Tatsache, dass wir unsere Studie auf alle Spitäler des KAV ausweiten werden – dies ist dem KAV zu verdanken und daher ist diese Kooperation wichtig für uns und unser Anliegen.

Bitte unbedingt weiter so!

Gestern und heute (12. und 13. September 2019) findet eine wichtige Tagung in Wien statt.

Eine Tagung ist eine Versammlung von Menschen. Diese Menschen denken gemeinsam über ein Thema nach.

In diesem Fall ist es das Thema ‚Frauen mit Behinderungen‘. Weil Frauen mit Behinderungen immer noch benachteiligt werden – also schlechter behandelt werden als andere Menschen.

Bei dieser Tagung hat etwas Besonderes und Wichtiges stattgefunden: Zwei Ministerinnen waren dabei und auch die Bundeskanzlerin. Eine Ministerin oder ein Minister leitet ein Ministerium. In einem Ministerium beschäftigt man sich mit einem bestimmten Thema. Zum Beispiel mit dem Thema Bildung. Bei dieser Tagung zu Frauen mit Behinderungen war die Sozialministerin dabei. Und es war die Frauenministerin dabei. Und dann war auch die Bundeskanzlerin dabei.

Ich kann mich nicht erinnern, dass in Österreich bisher auf einer Tagung zum Thema Behinderung so wichtige Personen für österreichische Politik und Verwaltung gemeinsam anwesend waren.

Das ist erschütternd.

Denn es zeigt: Das Thema Behinderung ist ein Randthema, es ist kein wichtiges Thema für die Politik.

Aber es ist ein wichtiges Thema für alle Menschen mit Behinderungen! Und daher sollte es ein wichtiges Thema für uns alle als Gesellschaft sein! Und daher sollte sich die Politik unbedingt mit dem Thema beschäftigen!

Diese Tagung zeigt zwei Dinge:

  1. zeigt die Anwesenheit der beiden Ministerinnen und der Bundeskanzlerin: Das ist ein wichtiges Thema!
  2. zeigt es deutlich auf: Die derzeitige ExpertInnenregierung ist ganz anders als andere Regierungen!

ExpertInnenregierung bedeutet: Eine Regierung ist eine Gruppe von Menschen. Diese Menschen entscheiden über die Politik in Österreich. ExpertInnen sind Menschen, die von einem bestimmten Thema sehr viel wissen (sie haben also eine Expertise in Bezug auf ein bestimmtes Thema). Derzeit haben wir so eine Regierung in Österreich.

Und diese ExpertInnenregierung macht etwas Neues – sie zeigt: Das Thema Behinderung ist wirklich wichtig! Weil es noch so viel zu tun gibt! Weil das Leben von Menschen mit Behinderungen in Österreich immer noch schwierig ist. Trotz der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Und trotz des Einsatzes vieler Menschen mit und ohne Behinderungen, damit das alles besser wird.

Und diese ExpertInnenregierung zeigt etwas für die Zukunft: Politik und Verwaltung müssen sich aktiver einbringen! Nur dann wird das Thema Behinderung kein Randthema mehr sein. Nur dann wird die Gesellschaft in Österreich erkennen: Wir müssen etwas tun – wir müssen viel tun! Damit Menschen mit Behinderungen ein gutes Leben in Österreich führen können. Und damit Menschen mit Behinderungen die Rechte, die ihnen zustehen, auch leben können.

Bitte unbedingt weiter so!

Das ist das, was wir aus dieser Tagung und der Anwesenheit der Bundeskanzlerin lernen: Die kommenden Regierungen sollten und müssen daraus unbedingt lernen!