Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oder: Üben ist wichtig!

Gestern (am 8. Mai 2018) habe ich auf Twitter etwas gelesen. Und das hat mich geärgert.

Deshalb schreibe ich heute darüber.

Twitter ist ein so genannter Kurznachrichtendienst. Da kann jemand kurze Texte schreiben. Und andere Leute können dazu zum Beispiel Antworten schreiben.

Gestern haben ein paar Leute unter anderem über Studierende (das sind ältere Schülerinnen und Schüler, die an einer Universität lernen) der Politikwissenschaft geschrieben.

Politikwissenschaft bedeutet: Wir denken über das Zusammenleben und über die Regeln in der Gesellschaft nach.

Ich unterrichte im Fach Politikwissenschaft als Lehrerin. Deshalb habe ich mich über die Leute auf Twitter geärgert.

Warum haben diese Leute über die Studierenden der Politikwissenschaft geschrieben?

Diese Leute haben sich aufgeregt. Weil sie von Studierenden der Politikwissenschaft Anfragen für Interviews bekommen haben. Eine Anfrage für ein Interview bedeutet: Ich frage jemanden, ob ich ihr/ihm zu einem bestimmten Thema Fragen stellen darf. Ein Interview ist also ein Gespräch, in dem Fragen gestellt und Antworten gegeben werden.

Warum müssen die Studierenden der Politikwissenschaft das Fragen-Stellen lernen und üben?

Sie müssen es üben, damit sie später gute Forscherinnen und Forscher werden. Forscherin oder Forscher sein bedeutet: Ich denke über ein Thema gründlich nach. Ich erforsche dieses Thema also. Das mache ich unter anderem, indem ich andere Menschen in einem Interview zu diesem Thema befrage.

Das Befragen kann aber kein Mensch einfach so. Das muss man üben. Und zwar oft üben. Deshalb müssen die Studierenden der Politikwissenschaft das auch öfter ausprobieren und üben. Nur so lernen sie das Fragen-Stellen. Und nur so können sie später gute Forscherinnen und Forscher werden.

Warum brauchen wir gute Forscherinnen und Forscher?

Weil es sehr viel gibt, was wir als Gesellschaft noch nicht wissen. Alle diese Themen sollen, müssen, können erforscht werden.

Einige der Studierenden meiner Lehrveranstaltungen (das sind die Stunden, in denen wir üben) denken gerade über das Thema Obdachlosigkeit nach. Einige denken gerade über das Thema Migration (also Einwanderung) nach.

Sie müssen zum Thema eine so genannte Forschungsfrage formulieren. Das ist eine sehr wichtige, zentrale Frage zu einem Thema. Und dann müssen sich die Studierenden überlegen: Wie können wir diese Forschungsfrage beantworten? Dazu gehört eben auch die so genannte Methode (also, die Frage, wie ich das erforschen will).

Interviews (also Gespräche mit Menschen, die sich bei einem Thema auskennen) sind eine mögliche Methode. Dann führen die Studierenden Interviews durch. Und dann können sie die Forschungsfrage beantworten.

Aber wie gesagt: Niemand kann das einfach so. Das muss jede/r üben! Es ist also enorm wichtig, das Fragen-Stellen in Interviews zu üben.

Die Leute gestern auf Twitter hat aber genau dieses Üben gestört. Sie haben sich über die Studierenden der Politikwissenschaft lustig gemacht. Sie haben gesagt: Die nerven mit den Anfragen. Die stören uns mit den Anfragen. Die stehlen uns unsere Zeit.

Ja. Es stimmt. Wenn ich ein Interview mache, kostet das Zeit. Und ja. Es ist die Lebenszeit meiner Interviewpartnerinnen und -partner/Gesprächspartnerinnen und –partner.

Aber zugleich muss uns allen klar sein: Wenn die Studierenden das nicht lernen, werden sie es nie gut oder richtig machen können. Sie werden dann keine guten Forscherinnen und Forscher werden. Und es wird dann eben keine guten Arbeiten zu bestimmten Themen geben.

Und noch etwas sollte uns allen klar sein: Wenn die Studierenden üben, denken sie eben stark (intensiv) über ein Thema nach. Und einige von ihnen forschen dann später zu diesem Thema. Das heißt also: Sie lernen beim Üben ein Thema kennen. Sie interessieren sich für das Thema. Das Thema begleitet sie später durch ihr Leben als Forscherinnen und Forscher. Bei manchen Themen ist das extrem wichtig. Nämlich, wenn es dazu ganz wenig Forschung gibt.

Wenn sich also Leute aufregen, kann ich nur sagen:

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Oder: Üben ist wichtig!

Ein bisserl differenziertes (das bedeutet: ich denke über etwas nach, bevor ich mich zum Beispiel über jemanden lustig mache) Reden über das Üben an der Universität würde niemandem schaden. Denn: Die übenden Studierenden von heute sind die Forscherinnen und Forscher von morgen.

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Die Zeit heilt keine Wunden

Es ist nun fast 20 Jahre her. Anfang Mai 1998 wurde unsere ältere Tochter Agnes geboren. Und eine Woche später starb sie in meinen Armen.

Ich schnappe immer noch verzweifelt in dieser einen Woche einmal im Jahr nach Luft. Und ich denke immerzu an Agnes. Ich werde dies tun, bis ich selber nicht mehr da bin.

Es ist der größte Schmerz, den ich jemals erlebt habe. Und es ist ein anhaltender Schmerz. Ein Schmerz, der bleibt.

In den letzten 20 Jahren habe ich eines immer versucht: an einer inklusiven Gesellschaft mitzuarbeiten. Mein Beitrag ist insgesamt gesehen klein. Aber er ist riesig für mich selber. Denn das Arbeiten im Bereich von Behinderung lässt immerzu meine beiden Töchter bei mir sein: im Sinne von Inklusion. Ohne diese künstliche Unterscheidung zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen. In einer Gesellschaft, in der Vielfalt gelebt wird.

Ohne Agnes hätte ich wohl nie über Behinderung zu arbeiten begonnen.

So groß der Schmerz war und ist – ich habe das Beste daraus gemacht. Hoffe ich zumindest. Und ich werde das weiterhin tun.

Dabei ist mir allerdings jeden Tag klar: Die Zeit heilt keine Wunden. Aber die Zeit gibt mir eine Chance (Möglichkeit): Jeden Tag kann ich an einer inklusiven Gesellschaft mitarbeiten. Und das ist gut und wichtig für mich.

Alt werden ist schön. Oder: Der Maturastreich

Alt werden ist schön. Vor allem mit einem Kind oder mit Kindern. Dann sieht man nicht nur sich selber. Sondern man sieht auch die Kinder. Gerade waren sie noch klein und jetzt sind sie schon so groß und erwachsen.

Unsere jüngere Tochter ist bald 18 Jahre alt. 18 Jahre. Ich kann es kaum glauben. Und unsere ältere Tochter wäre heuer 20 Jahre alt geworden. Fast unvorstellbar für mich als Mutter. Die Zeit verrennt wirklich wie im Flug!

Ich kann mich an einen Mai-Tag im Jahr 2011 erinnern. Im Herbst 2010 ist unsere jüngere Tochter ins Gymnasium gekommen. Ein Gymnasium ist eine Schule für jüngere und älter Kinder/Jugendliche. In einem Gymnasium macht man am Ende die Matura. Die Matura ist eine schriftliche und mündliche Prüfung (man bekommt viele Fragen, die man beantworten muss). Und da muss man zeigen, was man alles in der Schule gelernt hat. Und dann kann oder darf man studieren. Wenn man das eben will.

Im Jahr 2011 also habe ich wie so oft vor diesem Gymnasium auf unsere jüngere Tochter gewartet. Ich habe sie von der Schule abgeholt.

An diesem Mai-Tag war der letzte Schultag der 8. Klassen. Die 8. Klassen sind die ältesten Schülerinnen und Schüler in einem Gymnasium. Diese Jugendlichen waren kurz vor der Matura. Und das feiert man. Und zwar wie? Man macht einige Streiche. Das nennt man Maturastreich. Also, man macht irgend etwas (mehr oder weniger…) Lustiges. Ich kann gar nicht alles aufzählen, was da so angestellt wird. Jedenfalls macht man etwas, was man davor acht Jahre lang nicht machen durfte. Darum geht es eigentlich. Um das Brechen von Regeln an einer Schule. Und es geht auch darum: Die jüngeren Schülerinnen und Schüler sollen über die 8. Klassen reden. Der Streich soll den Jüngeren in Erinnerung bleiben. Und auch den Lehrerinnen und Lehrern.

Ich habe also vor dem Gymnasium gewartet. Es war ein schöner Tag im Mai 2011. Ich war zu früh bei der Schule. Vor diesem Gymnasium gibt es zwei große Tischtennis-Tische aus Beton. Diese Tischtennis-Tische sind sehr stabil. Also: Da können sich viele Menschen darauf stellen. Ich war also zu früh da und habe folgendes beobachtet:

Plötzlich kamen die 8. Klassen heraus. Sie hatten einen riesigen CD-Player dabei (also ein Gerät, mit dem man Musik abspielen kann). Sie waren alle schon recht lustig drauf. Damals – im Jahr 2011 – war das kein großer Jahrgang. Das heißt: es waren recht wenige Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen. Aber es waren doch so viele, dass sie nur sehr knapp auf beiden Tischtennis-Tischen Platz gefunden haben. Das haben sie nämlich gemacht: sie sind alle auf die Tischtennis-Tische geklettert. Und dann sind sie dort oben ganz eng nebeneinander gestanden und haben gewartet.

Sie haben bis zum Schulschluss-Klingeln gewartet. Mit diesem Klingeln wird eine Schulstunde beendet. Damals im Mai 2011 muss es wohl ein Freitag gewesen sein. Denn am Freitag haben die meisten Klassen früher und vor allem eher gleichzeitig aus.

Nach dem Klingeln hat es einige Minuten gedauert. Dann gingen die großen, schweren, alten Türen der Schule zum ersten Mal auf. Heraus kamen zuerst ‚mittelalte‘ und ältere Schülerinnen und Schüler. Die waren nicht so beeindruckt von dem, was da gerade passierte. Dann kamen immer mehr und sehr viel Schülerinnen und Schüler heraus.

Und irgendwann kamen die jüngeren Schülerinnen und Schüler aus der Schule. Und denen blieb buchstäblich der Mund offen stehen.

Warum?

In dem Moment, in dem viele aus der Schule kamen, schalteten die 8. Klassen den CD-Player ein. Und zwar extrem laut. Und sie spielten ‚Nie mehr Schule‘ von Falco. Dazu sangen sie alle sehr laut mit. Und sie sprangen auf den Tischtennis-Tischen – soweit es möglich war – herum.

Ich habe diese Geschichte schon so oft erzählt (und werde sie noch oft erzählen…). Und jedes Mal berührt mich die Erinnerung an den Gesichtsausdruck der jüngeren Schülerinnen und Schüler:

Diese Mischung aus absoluter Bewunderung und dem absoluten Nicht-Verstehen, was die 8. Klassen da gerade machen.

Für die jungen Schülerinnen und Schüler ist eine 8. Klasse in weiter Ferne (für die Mütter übrigens auch ;-). Daher die Bewunderung. Und daher auch zugleich das Nicht-Verstehen: Was machen die da? Warum feiern die so ausgelassen? Was feiern die denn eigentlich überhaupt? Alle diese Fragen konnte ich in den Gesichtern der ‚Kleinen‘ lesen. Unter anderem im Gesicht meiner jüngeren Tochter. Diesen Gesichtsausdruck werde ich wie gesagt nie vergessen. Ich nehme ihn als Erinnerung an ihre Schulzeit mit.

Und jetzt hat bald unsere jüngere Tochter den letzten Schultag mit dem Maturastreich. Sie denken schon viele Monate darüber nach (echt wahr!…). Was werden sie machen? Wird es lustig sein? Was werden die anderen in der Schule sagen? Ein Maturastreich ist offensichtlich wirklich etwas Besonderes für die 8. Klassen.

Und ich kann nur sagen: Wie die Zeit verrennt. Und alt werden ist schön. Nie habe ich deutlicher gemerkt, dass ich alt werde, als an unserer jüngeren Tochter. Und nie war das ein besseres Gefühl.

Fehler machen dürfen: Vom Rauchen und vom Essen

In Österreich muss man heutzutage ziemlich den Kopf schütteln.

Da treffen sich zum Beispiel WissenschaftlerInnen/ForscherInnen und PolitikerInnen.

WissenschaftlerInnen/ForscherInnen sind Menschen, die viel nachdenken. Diese Menschen stellen viele Fragen zu einem bestimmten Thema. Und die WisssenschaftlerInnen/ForscherInnen wollen dann diese Fragen beantworten. Zum Beispiel denken sie über unsere Gesundheit nach. Dann fragen sie sich zum Beispiel: Was ist gesund und was ist nicht gesund?

Beim Rauchen sind sich die WissenschaftlerInnen/ForscherInnen einig. Alle sagen: Das ist ungesund! Und zwar für den Menschen, der raucht. Aber auch für andere Menschen um diesen einen Menschen rundherum. Das nennt man Passivrauchen. Ich rauche nicht selber. Aber jemand anderer in meiner Nähe raucht. Das schadet dann auch mir.

PolitikerInnen sind Menschen, die unser Zusammenleben in der Gesellschaft regeln sollen. Wir wählen diese Menschen. Damit sie für uns als Gesellschaft etwas tun. Damit es uns gut geht. Und damit wir gut zusammenleben können.

WissenschaftlerInnen/ForscherInnen und PolitikerInnenhaben haben sich also gestern (Montag 6. März 2018) getroffen. Die WissenschaftlerInnen/ForscherInnen haben den PolitikerInnen gesagt: Rauchen ist nicht gesund. Und sie haben gesagt: Rauchen schadet vielen Menschen. Auch denen, die gar nicht selber rauchen. Und was haben die PolitikerInnen gemacht? Sie haben das ignoriert. Das heißt: Es war ihnen egal.

Warum gibt es Menschen, die über etwas nachdenken? Die sich wirklich gut mit einem Thema auskennen? Warum lernen wir dann zum Beispiel in der Medizin etwas darüber, was Rauchen alles anrichten kann? Und warum handeln die PolitikerInnen gegen jede wissenschaftliche Vernunft? Das bedeutet: Warum ist ihnen das Wissen über die Gefahr des Rauchens so egal?

Darum: Wegen der Selbstbestimmung. Wenn jeder Mensch selbst entscheiden kann, was er/sie machen will oder nicht, nennen wir das Selbstbestimmung. Selbstbestimmung ist für alle Menschen wichtig! Ich bestimme. Ich sage, was ich machen will oder nicht.

Die PolitikerInnen sagen: Na ja, das Rauchen ist zwar nicht gesund. Aber jede/r Mensch soll selber entscheiden. Ob er/sie eben rauchen will oder nicht. An sich ist das gut. Jede/r soll machen dürfen, was er/sie machen will. Aber so einfach ist das beim Rauchen nicht. Weil das eben auch für andere Menschen schlecht ist (Passivrauchen eben).

Jetzt frage ich: Wo beginnt und wo endet also Selbstbestimmung? Wer bestimmt das? Und mit welcher Begründung?

Noch immer wird vielen Menschen mit Behinderungen genau dieses Recht auf Selbstbestimmung verwehrt. Das bedeutet: Menschen mit Behinderungen dürfen oft nicht selbstbestimmt leben. Warum? Weil dann gesagt wird: Diese Menschen wissen ja nicht, was sie tun. Sie schaden sich (und anderen vielleicht ebenso).

So. Und jetzt kommt meine Frage: Weiß wirklich jede/r RaucherIn genau, was sie/er da macht? Ich bezweifle das ernsthaft. Warum dürfen also Menschen ohne Behinderungen zum Beispiel beim Rauchen selbst bestimmen? Auch wenn sie keine oder kaum Ahnung über ein Thema haben?

Denken wir daran: Bei Menschen mit Behinderungen sagt man oft: Die wissen ja nicht, was sie tun! Wir müssen diese Menschen schützen! Sie dürfen keine Fehler machen. Wir müssen sie vor Fehlern beschützen!

Und jetzt stelle ich noch eine Frage: Warum bitte sollen Menschen mit Behinderungen vor Fehlern geschützt werden? Und warum sollen Menschen ohne Behinderungen diese Fehler machen dürfen? Auch, wenn sie ganz sicher damit anderen Menschen schaden? Warum bitte dürfen die einen selbstbestimmt entscheiden und die anderen nicht?

Und dann fällt mir ein Beispiel ein. Da geht es nicht ums Rauchen. Es geht ums Essen. Und dieses Beispiel zeigt: Wir in der Gesellschaft machen bei Selbstbestimmung ganz arg willkürliche (willkürlich bedeutet: Einfach so; ohne einen Grund) Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen!

Im Beispiel geht es um den Kühlschrank. Reden Sie einmal mit Menschen, die mit Menschen mit Behinderungen leben. Oder die in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen arbeiten. Ganz oft wird da der Kühlschrank richtig bewacht. Damit sich niemand ein Essen rausholt, was er/sie nicht essen soll. Damit Menschen mit Behinderungen nicht unnötig dick oder krank werden.

Bei einer Veranstaltung hat einmal eine Frau gesagt, dass es ihre Pflicht ist, einen Menschen mit Behinderungen davon abzuhalten, sich Essen aus dem Kühlschrank zu holen. Warum ist das ihre Pflicht und tut sie das bei ihrem Mann zum Beispiel auch? Das habe ich sie dann gefragt. Und sie hat gesagt: Nein. Bei ihrem Mann tut sie das nicht. Der weiß ja, was er tut.

So. Und jetzt frage ich nochmals: Wer darf Fehler machen? Und wer kann daher auch aus Fehlern lernen? Wem schaden diese Fehler? Und warum wissen wir angeblich so genau, wer darüber Bescheid weiß, was er/sie macht? Und warum machen wir dann deshalb Unterschiede zwischen Menschen? Warum sagen wir: Menschen ohne Behinderungen dürfen Fehler machen. Und dabei wissen wir: Diese Menschen schaden nicht nur sich selber, sondern auch anderen Menschen. Warum sagen wir aber auch: Menschen mit Behinderungen dürfen keine Fehler machen. Weil sie ja nicht wissen, was sie machen. Wir müssen sie beschützen, wird dann gesagt.

Was haben die WissenschaftlerInnen/ForscherInnen gestern anderes gemacht? Sie haben gesagt: Rauchen ist nicht gesund. Es ist schlecht für die, die rauchen. Und es ist schlecht für die Menschen rundherum. Diese WissenschaftlerInnen/ForscherInnen haben auch ihre Pflicht getan. Sie haben gesagt, was nicht gesund ist. Aber da ist es auf einmal egal, dass das ein Fehler ist. Ein Fehler, der recht oft sogar mit dem Tod bezahlt wird.

Aber die PolitikerInnen haben dann gesagt: Jede/r hat ein Recht auf Selbstbestimmung. Egal, wem es schadet. Jede/r soll selber entscheiden. Auch wenn er/sie nicht weiß, was sie/er da macht. Punkt.

Na gut.

Dann warte ich jetzt darauf, dass die PolitikerInnen die Idee von Selbstbestimmung endlich auf alle Menschen anwenden!

Alle Menschen müssen Fehler machen dürfen! Und alle Menschen müssen für sich selber entscheiden dürfen! Und alle Menschen müssen aus Fehlern lernen dürfen!

Was wir bei der Sache mit dem Rauchen lernen: Wir machen in der Gesellschaft einfach künstliche Gruppen. Das bedeutet: Wir sagen: Die einen können das, die anderen können das nicht. Die einen denken darüber nach, die anderen denken eben nicht darüber nach. Aber so einfach ist das nicht.

Und wir merken schnell: Wir haben überhaupt gar keine guten Gründe für dieses Zusammenwürfeln von Menschen in bestimmten Gruppen. Und da geht es um viel mehr als nur um das Rauchen. Da geht es um das gesamte Leben. Es kann also nicht sein, dass einmal Selbstbestimmung gilt und einmal nicht. 

 

Es war einmal

Es war einmal. So fangen viele Märchen an. Manche Märchen gehen am Ende gut aus. Das bedeutet: Es gibt noch Hoffnung!

Wir haben in Österreich seit einiger Zeit eine neue Regierung. Regierung bedeutet: Das sind wichtige Menschen. Diese Menschen sind für uns Menschen in Österreich da. Sie machen Politik für uns alle. Das heißt: Sie machen die Regeln für unser Zusammenleben.

Diese neue Regierung hat vor allem ein Ziel im Wahlkampf gehabt. Wahlkampf bedeutet: Das ist die Zeit vor der Wahl. Da stellen sich Menschen hin und erzählen uns, wie sie sich die Gesellschaft vorstellen. Eine Wahl ist der Tag, an dem wir uns für eine Partei und/oder eine Person entscheiden. Wir geben dieser Partei oder Person die Stimme, also: wir wählen sie. In einer Partei sind Menschen, die ähnliche Gedanken (Ansichten) zu bestimmten Themen haben.

Was war also das eine Ziel der neuen Regierung im Wahlkampf?

Das eine Ziel im Wahlkampf war Sicherheit. Sicherheit bedeutet: Nichts ist gefährlich für uns. Es gibt keine Gefahren für uns.

Im Wahlkampf wurde Sicherheit aber mit einem anderen Thema verbunden. Das bedeutet: Man hat über Sicherheit geredet. Aber man hat etwas ganz Bestimmtes gemeint: Man hat Menschen gemeint. Und zwar Menschen, die von woanders her nach Europa und Österreich kommen (also so genannte ‚fremde Menschen’). Diese Menschen nennt man MigrantInnen. Und man nennt sie Asyl suchende Menschen. Asyl bedeutet: In der eigenen Heimat geht es einem nicht gut. Man wird dort sehr schlecht behandelt. Daher muss man aus der Heimat weg. Und man sucht dann ein anderes Land. Wo man gut behandelt wird.

Im letzten Wahlkampf ging es also um ‚fremde Menschen’ – Menschen, die woanders her sind. Und es ging darum: Diese Menschen sind für uns gefährlich. Sie sind schlecht für unsere Sicherheit. Das wurde uns immer wieder gesagt. Und es wurde uns auch gesagt: Diese Menschen sind auch schlecht für unser ganzes Leben. Weil sie Geld kosten. Und wenn diese Menschen Geld kosten, bleibt weniger Geld für uns hier in Österreich übrig. Es ging also um die soziale Sicherheit. Soziale Sicherheit bedeutet: Nichts gefährdet meine Unterstützungsleistungen, wenn ich welche brauche.

So.

Und jetzt haben wir diese neue Regierung. Aber diese neue Regierung braucht gar keine ‚fremden Menschen’, damit es uns schlecht(er) geht. Das schafft diese Regierung ganz von alleine. Weil diese Regierung Geld ausgibt. Und zwar nur für bestimmte Menschen. Aber nicht für uns alle.

Gestern (Montag, 19. Februar 2018) konnten wir überall lesen:

Die Regierung hat kein Geld für das so genannte Erwachsenenschutzgesetz. Das ist ein sehr wichtiges Gesetz. In diesem Gesetz steht: Ich als Mensch mit Behinderungen treffe die Entscheidungen selber. Ich sage, was ich will und was ich brauche. Und es gibt dann Menschen, die mich bei der Entscheidung unterstützen. Das ist sehr wichtig. Nicht jemand anderer entscheidet für mich. Ich entscheide selbst! So steht es auch in der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Und diese UN Konvention gilt in Österreich! Das ist etwas sehr Wichtiges für alle Menschen: Selbst entscheiden können und dürfen!

Und jetzt geht diese Regierung einfach her und sagt: Ja leider. Letztes Jahr haben wir das Gesetz noch super toll gefunden. Jetzt haben wir aber leider kein Geld dafür. Und jetzt verschieben wir es einfach. Bis dahin entscheidet ‚einfach’ noch jemand anderer für mich als Mensch mit Behinderungen. Und ich kann nicht selbst entscheiden.

So ‚einfach‘ denkt sich das die Regierung. Aber das ist eine ganz arge Sache! Warum?

Weil das gegen Menschen ist.

Weil es gegen Menschenrechte ist (das sind Rechte, die jede/r hat, weil er/sie ein Mensch ist).

Weil es gegen Selbstbestimmung ist.

Und weil es daher gegen die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist.

Das bedeutet: Man geht sehr schlecht mit Menschen mit Behinderungen um. Und außerdem ist einem egal, was man eigentlich hier in Österreich machen muss: Nämlich die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen umzusetzen!

Wer, bitte, sind für diese Regierung Menschen mit Behinderungen?

Sind das Menschen, bei denen man einfach so Geld sparen kann? Und ja, leider. Die Antwort ist ganz offensichtlich (also klar): Ja! Weil es der Regierung offensichtlich egal ist, wie es Menschen mit Behinderungen geht.

Und ich sehe hier weit und breit keine ‚fremden Menschen’, die an dieser Sache ’schuld‘ sind. Was ich aber sehe ist: Eine Regierung, die Menschen ihre Rechte wegnimmt. Und das geht einfach nicht!

Es war einmal. So fangen viele Märchen an. Manche Märchen gehen am Ende gut aus. Ich hoffe hier und heute: Diese Regierung muss sich gut überlegen, was sie uns erzählt. Sie soll uns nicht erzählen: Die ‚fremden Menschen’ nehmen uns hier in Österreich das Geld weg. Denn diese Regierung nimmt uns Menschen hier in Österreich einfach selber das Geld weg. Und damit macht sie das Leben von Menschen mit Behinderungen schlechter.

Das kann es einfach nicht sein. Und daher hoffe ich auf ein gutes Ende dieser Geschichte.

 

 

Das ist absurd. Das bedeutet: Das ist wirklich ein Unsinn und sinnlos!

Ich schreibe diesmal aus zwei Gründen. Und diese beiden Gründe hängen zusammen.

Erstens schreibe ich über meine Erlebnisse als Mutter einer Schülerin. Unsere jüngere Tochter besucht die letzte Klasse, also die 8. Klasse. Bald wird sie Matura machen. Matura bedeutet: Das ist die letzte Prüfung am Ende der Schulzeit. Nach dieser Prüfung ist sie mit der Schule fertig.

Und zweitens schreibe ich als Lehrerin an einer Universität. Eine Universität ist eine Schule für Erwachsene. Nach der Matura darf man die Universität besuchen.

In letzter Zeit habe ich viel Unerfreuliches gelesen.

Studierende müssen oft Aufgaben machen. Manche dieser Aufgaben sind Texte, die jemand schreiben muss. Dafür muss man viel lesen. Und man muss viel nachdenken. Das dauert manchmal recht lange. Aber vielen Studierenden dauert das zu lange. Dann lassen sie sich die Arbeit einfach von jemandem schreiben. Das nennt man Ghostwriting. Das ist ein englisches Wort. Es bedeutet: Jemand anderer (ein so genannter Ghost, also Geist) schreibt einen Text für mich. Ich darf dann aber meinen Namen nicht auf den Text schreiben. Das ist verboten. Trotzdem machen es viele Menschen. Warum? Weil man schwer beweisen kann, dass es jemand anderer geschrieben hat.

Als Lehrerin an der Universität mag ich Ghostwriting natürlich überhaupt nicht. Studierende sollen selber schreiben lernen. Es ist den anderen Studierenden gegenüber außerdem unfair. Studentin A schreibt es selber und strengt sich an; Student B lässt sich den Text schreiben. Er strengt sich nicht an, bekommt aber am Ende die bessere Note. Weil sein Ghostwriter gut schreiben kann. Das ist unfair.

Was hat das jetzt mit der Schule zu tun?

Viel. Und jetzt wird es noch unerfreulicher.

In der Schule herrscht große Angst vor dem Ghostwriting. Und an sich ist das sehr gut so! ABER: Das führt zu absurden (also wirklich sinnlosen) Dingen!

Unsere Tochter durfte uns in der Abschlussarbeit nicht erwähnen. Also: Sie durfte zum Beispiel nicht schreiben, dass sie ihren Eltern für das Durchlesen der Arbeit dankt. Weil dann nämlich die Schule sagen könnte: Das hast du ja nicht selber geschrieben!

Und wozu hat das geführt?

Sie hat die Arbeit bei ihrer Lehrerin abgegeben. Dann erst durften wir sie lesen. Gut, sie wollte das Ganze sowieso alleine schreiben. Aber gerade ich unterstütze sehr viele StudentInnen beim Schreiben. Ich kann das gut. Ich kann jemanden beim Schreiben unterstützen. Unterstützung heißt dabei NICHT: Jemand anderer macht es für mich. Unterstützung heißt: Ich mache es. Und wenn ich Unterstützung brauche, frage ich nach.

Ich denke: Die SchülerInnen lernen da etwas komplett Verkehrtes! Sie lernen: Nur keine Unterstützung holen! Lieber alles alleine machen. Sonst bekomme ich Probleme.

Aber sie lernen NICHT: Unterstützung ist wichtig! Ich kenne meinen Text. Ich schreibe ihn. Ich merke aber dann gar nicht mehr, wenn zum Beispiel etwas Wichtiges im Text fehlt. Aber so etwas merkt ein anderer, der meine Arbeit liest. So etwas nennt man Feedback geben. Das ist auch ein englisches Wort. Es bedeutet: Jemand sagt mir seine Meinung zu meinem Text.

Überall auf der Universität lernen Studierende: Holt Euch Feedback! Holt Euch Unterstützung! Und in der Schule lernen sie genau das Gegenteil!

Unterstützung zu bekommen ist wichtig. Klar muss ich es selber schreiben. Ghostwriting ist sehr schlecht. Aber Unterstützung und Feedback holen ist wichtig. Wenn SchülerInnen davor Angst haben, frage ich mich: Wie sollen sie dann an der Universität wieder das Gegenteil lernen?

Das ist einfach wirklich ein Unsinn. Es ist einfach absurd.

 

 

 

 

Die Abschlussrunde: Überlegungen zur Zukunft statt zum Heute

Vor kurzem war ich wieder einmal bei einer Podiumsdiskussion dabei.

Eine Podiumsdiskussion bedeutet: Einige Menschen sitzen auf einem Podium zusammen. Ein Podium bedeutet: In einem Raum ist eine (etwas) höhere Fläche. Und dort sitzen dann diese Menschen und reden miteinander. Diese Menschen reden dann über ein bestimmtes Thema. Weil sie dazu selber etwas erlebt haben oder erleben. Weil sie dazu forschen. Oder auch, weil sie einfach viel über dieses Thema wissen. Zuerst reden dann meistens diese Menschen am Podium miteinander (manchmal streiten sie dort auch). Dann wird die Diskussion geöffnet. Das heißt: Alle aus dem Publikum dürfen dann Fragen stellen und mitreden. Und dann gibt es am Ende einer Podiumsdiskussion meistens eine so genannte Abschlussrunde.

Eine Abschlussrunde bei einer Podiumsdiskussion ist wichtig. So eine Abschlussrunde ist eine Art Zusammenfassung der Diskussion. Zusammenfassung bedeutet: Es wird nochmals das Thema besprochen. Was haben die einzelnen Menschen am Podium dazu gesagt? Was bleibt an Fragen offen? Was konnte besprochen werden? Da sagen dann alle Menschen am Podium nochmals: Das und das ist mir wichtig, wenn es um dieses Thema geht. Und der/die so genannte Moderator/in fasst mit seinen/ihren Worten das zusammen, was die anderen gesagt haben. Moderator/in bedeutet: Das ist einer der Menschen am Podium. Diese Person leitet die Diskussion und stellt den anderen Menschen am Podium Fragen.

Oft wird eine Abschlussrunde in einer ganz bestimmten Weise gemacht – dann fragt der/die Moderator/in die anderen Menschen am Podium: Was soll in zehn, fünfzehn Jahren anders sein in Bezug auf das Thema? Was muss/soll sich also ändern? Was kann so bleiben, wie es ist? Das ist wichtig. Denn wir alle müssen immer überlegen: Wie gehen wir heute bestimmte Themen an? Wie sind wir sie früher angegangen? Aber auch: Wie können wir diese Themen in Zukunft angehen? Wohin kann oder wird sich das bestimmte Thema also entwickeln? Das sind wichtige Gedanken.

Aber mindestens ebenso wichtig ist: Bei einer Podiumsdiskussion zu einem Thema muss vorher gut nachgedacht werden: Wie sieht das Thema eben heute aus? Welche Probleme und Herausforderungen gibt es? Erst wenn das wirklich gut und ausführlich besprochen wurde, sollte man sich der Zukunft zuwenden. Die Abschlussrunde mit einem Blick in die Zukunft hat also einen Sinn – aber nur dann, wenn vorher das Heute gut besprochen und diskutiert wurde.

Ich war also vor kurzem bei einer Podiumsdiskussion dabei.

Da ging es um ein sehr wichtiges Thema: Es ging um das Thema Behinderung. Es ging um die negativen (also schlechten) Haltungen gegenüber Menschen mit Behinderungen. Es ging um die Ängste, die viele Menschen haben, wenn sie an Behinderung denken. Und es ging um die Frage: Soll ein Kind mit Behinderungen geboren werden oder nicht?

Eines wurde bei der Podiumsdiskussion schnell klar: Alle Menschen am Podium finden die negativen Haltungen Menschen mit Behinderungen gegenüber sehr schlecht. Alle Menschen am Podium sind sich einige: Ein Leben mit Behinderung kann genauso wie ein Leben ohne Behinderung ein schönes oder aber ein weniger schönes Leben sein. Das hängt nicht von der Behinderung ab!

Und eines wurde bei der Podiumsdiskussion aber auch schnell klar: Die Menschen am Podium wollen, dass sich diese Haltungen ändern. Aber sie denken zu wenig darüber nach: Wie kann ich das konkret und selber ändern? Was kann ich dazu beitragen? Bei der Podiumsdiskussion ging es ganz viel um Österreich als Land und um die Bundesländer in Österreich. Und es ging darum, was alles im Bund und den Ländern nicht getan wird, um das negative Bild von Behinderung zu verändern. Aber niemand sprach dabei wirklich deutlich an: Ich muss bei mir ansetzen! Und ich muss viel mehr dort ansetzen, wo ich arbeite.

Wenn wir darauf warten, dass andere etwas ändern, werden wir lange warten. Und wir sind dann auf andere angewiesen: Wenn diese anderen Menschen nichts ändern, ändert sich halt einfach nichts.

Das ist nicht gut. Und es ist vor allem dann nicht gut, wenn es dann eine Abschlussrunde gibt. Und wenn in dieser Abschlussrunde dann über die Zukunft geredet wird – wo es doch so viele offene Fragen im Heute (in der Gegenwart) gibt.

Mich hat das frustriert (frustriert bedeutet: ich bin enttäuscht, ich bin traurig über etwas). Deshalb habe ich dann in der Abschlussrunde gesagt: Wenn in zehn Jahren ‚bloß’ die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen umgesetzt ist, bin ich zufrieden! Dazu habe ich gesagt: Ich weiß. Das ist zynisch. Zynisch bedeutet: Ich mache mich über etwas lustig. Ich weiß: In Österreich ist es noch ein extrem langer Weg, bis die UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen umgesetzt sein wird.

Wie können wir über die Zukunft reden und viel zu wenig über die Gegenwart? Es gibt die Probleme und Herausforderungen im Hier und Heute! Wenn wir nicht heute an der Umsetzung der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen arbeiten, wird sie morgen auch nicht umgesetzt sein! So viele von uns arbeiten im Bereich Behinderung als Menschen mit Behinderungen selbst wie auch für Menschen mit Behinderungen. Können wir bitte endlich alle gemeinsam daran arbeiten, dass sich etwas ändert? Und nicht nur andere in die Pflicht nehmen (das bedeutet: ich will, dass jemand anderer etwas tut und etwas ändert)? Und nicht nur über die Zukunft nachdenken?

Über die Zukunft nachdenken – das ist wichtig! Aber die Zukunft ist das Resultat (also das Ergebnis) der Gegenwart. Wir müssen also an der Gegenwart arbeiten. Wir müssen die Gegenwart ändern. Denn sonst ist die Zukunft anders, als wird das wollen. Ja. Die Haltungen Menschen mit Behinderungen gegenüber sind nach wie vor negativ. Und wenn wir sagen: Der Bund und die Länder, die PolitikerInnen, die BeamtInnen sollen die Haltungen Menschen mit Behinderungen gegenüber ändern – was tun wir dann? Wir warten, dass andere sich ändern und dass sie etwas ändern. Das finde ich ganz schlecht.

Die Abschlussrunde und die Podiumsdiskussion hat mir das vor kurzem wieder deutlich gezeigt: Forderungen sind wichtig! Forderung bedeutet: Ich sage, was mir wichtig ist. Was sich zum Beispiel in Bezug auf das Thema Behinderung ändern muss. Wir dürfen nicht auf das Handeln der anderen warten – wer immer ‚die anderen’ dann auch sind.

Mir ist klar: Alleine unser Handeln wird niemals ausreichen. Aber wir müssen Forderungen stellen. Wir müssen lästig sein. Wir müssen immer wieder sagen: Das Thema Behinderung ist wichtig. Das Thema Behinderung geht uns alle als Gesellschaft an. Das Thema Behinderung muss endlich ernst genommen werden. Die Rechte von Menschen mit Behinderungen müssen endlich ernst genommen werden.

Was passiert, wenn wir auf das Handeln von anderen warten und wenig oder sogar gar nichts selber tun? Ich befürchte, dann warten wir bis in alle Ewigkeit.